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05.03.2017

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Münsterland Giro 2013 - 70 km

Goldenes Oktoberwetter erwartete uns in Münster, nachdem es zuletzt etwa 10 Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit geregnet hatte und der Trainingsstand entsprechend gut war. Nach einer nervigen Anreise am Nachmittag vor dem langen Wochenende mit sehr vollen Autobahnen lief ich abends noch viel in Münster herum: Zunächst mußten die Startunterlagen abgeholt werden, dann erfolgte der Transport der Rennräder vom Parkhaus ins Hotel, das dankenswerter Weise einen Tagungsraum als Aufbewahrungsraum bereitgestellt hatte, anschließend wanderten noch die ganzen Klamotten vom Auto ins Hotel. Das Parkhaus sollte am Renntag leider erst um 9 Uhr öffnen, zu spät für uns. Und schließlich ging ich zum Bahnhof, um Petra nach ihren drei Umsteigaktionen abzuholen. Die Nacht im Hotel blieb etwas unruhig, es gab dafür schon um 6:30 Uhr Frühstück, so dass wir bequem gegen 7:30 Uhr mit den Rennrädern zum Start rollen konnten.

Die gerade aufgegangene Sonne begüßte uns neben genervten Polizisten angesichts uneinsichtiger Rennradfahrer, die keine roten Ampeln beachteten und sich zwischen den ebenfalls eintreffenden Einsatzfahrzeugen hindurchmogelten. Petra und ich rollten noch 20 Minuten lang in Seitenstraßen herum, um den Körper warm zu halten bei einer Lufttemperatur von 5-6 Grad Celsius. Die Kleidung war komplett lang gewählt mit mehreren Trikots übereinander. Erst 10-15 Minuten vor dem für 8:20 Uhr angesetzten Start betraten wir Startblock B und hörten dem einigermaßen dummen Geschwätz von Moderator und Vetretern aus Politik und der Sponsoren zu.

Der Start erfolgte wie üblick blockweise: Zuerst fuhren die ViPs los, nach 30 Sekunden dann der Rest bzw Großteil von Block A, dann jeweils im Abstand von zwei Minuten die übrigen Startblöcke. Zunächst ging es über eine Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal, auf der nach einigen hundert Metern die Zeitmessung begann. In einer sehr großen Gruppe, quasi im fast vollständigen Startblock, fuhren Petra und ich los und dem Ostwind entgegen. Nach der Wettervorhersage sollte der Wind zu Beginn des Rennens mit 12 km/h wehen und bis Mittag auf 20 km/h ansteigen. Insofern lag der frühe Start noch günstig, aber der Wind war trotzdem die ganze Zeit über zu spüren. Während des ersten Drittels, das nach Osten und später nach Nordosten führte, war die große Fahrergruppe wichtig, um eine hohe Geschwindigkeit zu erreichen. Alleine wäre man verloren gewesen. Dennoch rissen die teilweise lang gezogenen Fahrerketten ab und zu auf. Mehrfach mußte ich kurz antreten, vor mir fahrende "Abreißer" überholen und Lücken schließen. Durch die Entwicklung in der sehr großen Gruppe blieben Petra und ich zwar meistens nicht lang zusammen, aber unser Abstand lag maximal bei 20 Meter und auf Sichtweite.

Erst kurz vor dem Knick aus der Nordostrichtung in die Westrichtung bei Kilometer 31 trennten sich unsere Wege. Gerade hatte ich mich durch einen kurzen Antritt von 10 Meter rechts hinter Petra durch eine Lücke hindurch nach links und dann nach vorne wieder vor Petra gesetzt, als die Fahrer vor mir plötzlich anzogen und das Feld sprengten. Während ich mich an diesen Zug hängen konnte, blieb Petra in der zweiten Hälfte des Feldes hängen. Durch den jetzt von hinten schiebenden Wind stieg die mittlere Geschwindigkeit auf 40 km/h über die nächsten 15 Kilometer.

Gegen Ende der Weststrecke führte die Strecke von den bisher befahrenen normalen Straßen ab auf eine einspurige Straße, einen breiteren asphaltierten Feldweg. Dort kam es wieder zum Zusammenschluß mit der alten Gruppe, die von hinten wieder auffuhr. So ganz wohl war mir nicht in diesem Abschnitt: Zum einen fuhren eben mehr als 50 Fahrerer von hinten in meine Gruppe hinein, zum anderen durchquerte ich gerade hier mein persönliches Kräftetief.

Bei Kilometer 58 schließlich knickt die Streckenführung aus ihrer Westrichtung ab nach Süden und führte wieder auf Münster zu. Der Wind kam also mindestens von der Seite, aber auch gerne von halb vorne. Nur hundert Meter nach der 90-Grad-Kurve sah ich die einzigen Unfallopfer des ganzen Rennens: Ein Fahrer lag im Straßengraben, wurde schon von Zuschauern betreut, ein anderer Fahrer stand wieder, sah aber auch nicht gut aus. Als Petra wenige Minuten später an diese Stelle kam, stand dort bereits ein Rettungswagen und versorgte das Unfallopfer mit einer Nackenschiene. Petra hatte irgendwann den Kontakt zu ihrer Gruppe verloren und fand sich nach einiger Zeit mit einem anderen Fahrer zusammen, so dass sich wenigstens die beiden immer mit der Führungsarbeit abwechseln konnten.

Im Laufe der nächsten Kilometer ging es auf die breiten Einfallstraßen nach Münster und weitgehend mit leichtem Gefälle und den höchsten Geschwindigkeiten des ganzen Rennens. Genau in diesem Abschnitt kam es dann zur einzigen kritischen Situation, die ich im ganzen Rennen erlebte: Mitten in dem großen Pulk auf der Abfahrt von einer Brücke auf einer 4-6 spurigen Straße wurde plötzlich scharf gebremst. Da ich ganz hinten an der Gruppe klebte und mit meinen letzten Kräften den Anschluß hielt, konnte ich ohne zu bremsen ganz außen vorbeifahren, während einige Fahrer in der Mitte fast standen. Es gab glücklicherweise keinen Sturz.

Nach Erreichen des Ortseingangs nahmen die Zuschauerzahlen entlang der Straßen deutlich zu, doch die letzten Kilometer zogen sich mangels Finalkraft und dafür mit Gegenwind ziemlich hin. Vor allem auf dem letzten Kilometer und dann im Zielbereich standen sehr viele Zuschauer und beklatschten die eintreffenden Teilnehmer. Ich selbst schob mir auf dem Schloßplatz ein Energie-Gel rein und aß noch eine Banane, die während des ganzen Rennens in der Jackenrücktasche gesteckt hatte. Bis Petra nach ein paar Minuten eintraf, war von Müdigkeit schon nichts mehr zu spüren.

Nach einer Getränkepause fuhren wir zurück ins Hotel, duschten und schmissen alle Taschen und Rennräder wieder ins Auto. Das Hotel mußte bis 12 Uhr verlassen werden, was wir perfekt ausnutzen konnten. Da zeigte sich wieder der Vorteil der frühen Startzeit.

Ich selbst belegte in der Gesamtwertung mit 1:53:49 Stunden den Platz 406 von 1024, in der Altersklasse Männer Masters 2 den Platz 143 von 359. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 35.8 km/h mit einem Maximum von 51.7 km/h. Da ich vergessen hatte, den Pulsgurt umzubinden, gibt es leider keine Daten über den mittleren und maximalen Puls. Die gesamten Höhenmeter des Rennens lagen mit 135 Metern niedriger als auf meinem täglichen Weg zur Arbeit und zurück. Die schnellste Zeit betrug 1:37:19 Stunden.
Petra erreichte mit 1:58:55 Stunden Platz 49 von 180 Frauen und in der Altersklasse Masters 2 den Platz 16 von 54. Die Siegerin kam in der ersten Gruppe ins Ziel mit einer 1:37er Zeit.

Zunächst gingen wir wieder in den Zielbereich zurück, suchten unsere Zeiten auf den inzwischen ausgehängten vorläufigen Ergebnislisten, verfolgten die Siegerehrungen für die 70-km-Strecke und schlenderten über den Ausstellungsplatz von Rennrad- und Zubehör-Anbietern. Anschließend gab es ein schönes Mittagessen bei Vapiano. Die nächsten zwei Stunden standen wir etwa 20 Meter hinter dem Ziel an der Seite in der erstehn Reihe und verfolgten die Kinderrennen (11-13 und 8-10-jährige über jeweils 2.5 km sowie 100 Meter auf Laufrädern für 2-3-jährige). Um kurz vor 16 Uhr durchquerten die Profis zum ersten Mal den Zielstrich und fuhren dann noch drei Runden a 5 Kilometer durch Münster. Beeindruckend war natürlich die hohe Geschwindigkeit der Profis. Erkennen konnten wir selbst die bekannten Fahrer kaum, erst auf den Fernsehbildern sah ich den frisch gebackenen Zeitfahrweltmeister Tony Martin.

Fotos folgen...