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05.03.2017

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Münsterland Giro 2014 - 70 km

Sonniges Oktoberwetter mit 20 Grad Celsius und praktisch windstill empfing Münster den Leiter der Tour d'France, Christian Prudhomme. Münster würde gerne im Jahr 2017 Startort der Tour werden. Außerdem wurde die Aufwertung des Profirennens in die zweithöchste Kategorie bekannt: Zur "UCI World Tour" gehört neben der Tour d'France als einziges deutsches Rennen die Vattenfall Cyclassics in Hamburg. Zur zweithöchsten Kategore "Hors Catégori" zählen ab 2015 in Deutschland neben "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" und der Bayernrundfahrt nun eben auch der Münsterland Giro.

Als ich viel zu spät etwa vier Wochen vor dem Rennen nach einem Hotel suchte, fand ich "nur" noch eines am nordöstlichen Rand der Innenstadt in der Hörsterstraße. Leider war das sehr schöne Hotel aus dem vergangenen Jahr bereits ausgebucht. Petra konnte nicht am Rennen teilnehmen, da sie im Herbst aus beruflichen Gründen keine Risikosportarten ausüben durfte. Und ihre Anreise nach Münster stand auch erst wenige Tage vor dem Rennen fest. Also wollte sie zum Zieleinlauf in Münster sein und ihren erschöpften Gatten später auf dem Beifahrersitz Platz nehmen lassen. Ich selbst ging am Abend vor dem Rennen in einem sehr schönen italienischen Lokal in der Nähe des Hotels essen. Wegen des fast spätsommerlichen Wetters konnte ich sogar draußen sitzen. Witzigerweise kam ich mit dem Kellner/Lokalbesitzersohn ins Gespräch, der erzählte, selbst noch ein sehr schönes altes italienisches Rennrad zu besitzen und früher viel gefahren zu sein, aber leider aus beruflichen Gründen gar nicht mehr dazu kam.

Der Start zur kurzen Distanz erfolgte als letztes der drei Rennen. Während die 110-km-Fahrer bereits um kurz nach 8 Uhr auf ihre Strecke gehen mußten, prüfte ich zu dieser Zeit gerade das Wetter nach einem guten Frühstück. War es in den Tagen vor dem 3.Oktober morgens doch immer sehr nebelig gewesen und hatte mir die Radfahrt zur Arbeit erschwert, so zeigte sich an diesem Morgen der Himmel klar und selbst zu dieser Morgenstunde nicht kalt. Es konnte also die kurze Hose gewählt werden, zwei Trikots übereinander, oben natürlich das Trikot der Tour d'Energie aus diesem Jahr, und dazu Armlinge. Auf den späteren Fotos erkennbar wurde es im Laufe des Rennens immer wärmer und die Armlinge aufgerollt.

Die Einteilung der Startblöcke auf Basis der Vorjahresergebnisse (Schnitt damals fast 36 km/h) führte mich in Block C, also den dritten von fünf Blöcken mit jeweils etwa 250 bis 300 Teilnehmern. Meinen ebenfalls in diesem Block losfahrenden Kollegen hatte ich nicht entdecken können. Vom Hotel zum Start waren es etwa 4-5 Kilometer, dort angekommen nutzte ich ein paar Nebenstraßen, um mich noch einmal 20 Minuten warm zu rollen. Dann stand ich mitten im Block C und legte mir den Plan zurecht, zügig im Windschatten des großen Feldes in Richtung Spitze des Blocks zu fahren, um dann bei Auftauchen der ersten "langsameren" Gruppen aus Block B weiter deren Windschatten nutzen zu können.

Zuerst durften die ViP-Teilnehmer mit ein paar Minuten Vorspung ins Rennen gehen, um in den Kreiseln und Fahrtrichtungsänderungen innerhalb von Münster nicht mit den schnellen Leuten aus Block A zu kollidieren. Der Startansager zählte für die ViP auf französisch zum Start runter, doch die ViP blieben unter dem Lachen der anderen Teilnehmer stehen: Sie kannten schlichtweg diese Zählweise nicht. Ein paar Minuten später ging es dann auch für meinen Startblock los. Wie auf dem Garmin-Profil weiter unten zu erkennen ist, legte ich die ersten 10 Kilometer mit einem Schnitt von knapp 40 km/h zurück und lag, als es in die "Berge" ging, schon ziemlich an der Spitze der Block-C-Fahrer, wahrscheinlich auch schon vor den langsameren Teilnehmern aus Block B.


Kurz nach dem Start.

Von den 364 Höhenmetern auf der insgesamt flachen Strecke mußte fast ein Drittel auf einem Anstieg zwischen Kilometer 16.9 und 20.2 bewältigt werden. Zuvor gab es eine 1.5 km lange Abfahrt, auf der mich ein anderer Teilnehmer angesichts meines Trikots der Tour d'Energie ansprach und mich vor der Steigung warnte, die urplötzlich beginnen und bis zu 15 Prozent steil sein sollte. Tatsächlich führte die Strecke am Ende der Abfahrt von der normalen Straße durch eine 90-Grad-Kurve in einen asphaltierten Feldweg hinein, der sofort anstieg. Mein GPS-Fahrrad-Computer zeigte im ersten Abschnitt einen Peak von 9 Prozent und im zweiten Abschnitt einen Peak von 13 Prozent, aber eben nur Peaks, also kurze Rampen, und keine längeren steilen Abschnitte. Insgesamt war der Anstieg bei 2 bis 5 Grad Steigung problemlos zu fahren.

Genauer: Er wäre problemlos zu fahren gewesen, wenn nicht die Menge und Dichte der Teilnehmer und ihre "langsame" Geschwindigkeit mein Tempo komplett zu Nichte gemacht hätte. Das Problem bestand also von Anfang an im verzweifelten Versuch, den Rest des Feldes zu überholen. Ich fuhr schon ganz links am Rand, kam aber doch kaum an anderen Teilnehmern vorbei. Gegen Ende des ersten Drittels rief hinter mir ein Fahrer um freie Bahn. Ich ließ ihn vorbei, hängte mich an ihn dran und dann riefen wir gemeinsam und konnten so ganz langsam die große dichte Masse hinter uns lassen und nach oben heraus an Tempo zulegen.

Während der nächsten 10 Kilometer ging es fast nur abwärts, allerdings meistens sanft, dazu mit Kurven in Ortsdurchfahrten, die von zahlreichen Zuschauern gesäumt waren. Die Geschwindigkeit lag also nur in zwei kurzen Abschnitten bei 50 km/h ansonsten schwankend um 40 km/h. Nach einem erneuten Aufstieg von vielleicht 40 Höhenmetern befand ich mich direkt hinter der Spitze eines größeren aber lang gezogenen Feldes. Ganz vorne fuhr eine ViP-Frau, leider vergaß ich ihre Startnummer wieder. In der beginnenden Abfahrt überholte ich sie und zog das Tempo an. Die Straße war dreispurig, entsprechend sehr breit bei bestem Straßenbelag, die Gefällewerte zogen an und ermöglichten eine 3-4 Kilometer lange Schußfahrt mit tief gegriffenem Lenker und einer Spitzengeschwindigkeit von fast 65 km/h.


Warm geworden irgendwann im Rennen.

Auf den nächsten zehn Kilometern ließ ich mich wieder in die Gruppe zurückfallen, den Windschatten ausnutzend, und verfolgte, wie die Gruppe immer größer wurde. Und die Fahrt immer schwieriger in dem dichten Feld! Die Rennräder fuhren mit wenig Abstand nach vorne, nach hinten und zur Seite. Bald gab wohl 5-7 Rennräder nebeneinander auf der zweispurigen Straße, und davon mindestens 20 Reihen, eher mehr. Überholen oder Zurückfallen war kaum noch möglich, allenfalls an Kreuzungen. Ich hielt mit ungefähr im Bereich der fünften Reihe auf und war froh, eine Position ganz links außen gefunden zu haben, um im Falle eines Sturzes vor oder neben mir auf den Grünstreifen oder Radweg ausweichen zu können. Zeitweilig fuhr ich direkt hinter einem ViP, dem Aussehen nach der Tagesschau-Moderator Marc Bator, der etwa 40 Sekunden schneller war als ich und dafür mehr als 60 Plätze vor mir lag in der Endwertung. So eng ging es in dem Zeitbereich zu, in dem ich ins Ziel kam.

Glücklicherweise kam es zu keinem Sturz, wenn auch ein oder zwei Mal gebremst wurde und keiner im Feld unaufmerksam sein durfte bei einer Geschwindigkeit von etwa 40 km/h. An der Stadtgrenze von Münster lief die Strecke auf einer breiten Straße, rechts der abgesperrten Fahrstreifen fuhren Autos mit derselben Geschwindigkeit wie wir, zeitweilig Tempo 50 erreichend. Obwohl das Feld auch auf den letzten Kilometern eng blieb, mußten einige Teilnehmer unbedingt einen Schlußspurt hinlegen und wild um die anderen Fahrer herumlenken. Ich selbst verkniff mir den Schlußspurt und rollte unter den lautstarken Anfeuerungsrufen von hunderten Zuschauern durch das Ziel.

Trotz des durchschnittlich relativ hohen Pulses war ich kaum erschöpft und rief Petra an, die wenige Minuten später an meinem Standort eintraf. Leider hatte ihr Zug leichte Verspätung gehabt, dazu blieb ich deutlich unter den angepeilten knapp zwei Stunden Fahrzeit, so dass Petra meinen Zieleinlauf verpassen mußte. Nach kurzer Zeit machten wir uns auf den Weg zum Hotel, gingen einmal quer durch die Stadt und suchten nach dem Auschecken ein Restaurant, um meinen Kalorienbedarf zu stillen. Anschließend begaben wir uns zurück zum Zielbereich und warteten auf die Ankunft der Profis. Diese trafen etwa um 16 Uhr in Münster ein und mußten noch drei Runden a 5 Kilometer durch die Innenstadt bewältigen, bevor das Rennen mit einem deutschen Doppelsieg von Greipel vor Degenkolp endete. Direkt vor unseren Augen, vielleicht 40 Meter hinter dem Zielstrich und nur Zentimeter entfernt auf der anderen Seite der Absperrgitter, riß Greipel seine Arme zum Jubeln hoch. Damit endete der Tag für uns in Münster. Noch einmal gingen wir zurück zum Hotel, holten das Auto ab und ich konnte auf dem Beifahrersitz entspannen.

Ins Ziel kamen 1236 Männer und 202 Frauen über 70 km, 1350 Männer und 83 Frauen über 110 sowie 672 Männer und 42 Frauen über 140 km. Die Zeit des Siegers über 70 Kilometer betrug 1:37:48 Stunden. Die schnellste Frau benötigte auf der Strecke 1:42:18 Stunden.

Ich selbst belegte in der Gesamtwertung mit 1:52:53 Stunden den Platz 392 von 1236, in der Altersklasse Männer Master 2 den Platz 153 von 453. Meine eigene Zeitmessung zeigte die selbe Zeit bei einer Distanz von 69.02 km und 364 Höhenmeter. Meine mittlere Herzfrequenz betrug 160 bpm bei einem Maximum von 182 bpm. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 36.7 km/h mit einem Maximum von 64.3 km/h.

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