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05.03.2017

Bovenden

Impressum

Tour d'Energie 2015 - 45 km

Kann denn das Wetter nicht mal wieder so richtig schön sein bei dem Rennen, so wie es in den ersten Jahren eigentlich immer war? Fast sommerlich wie von 2007 bis 2011 mit jeweils mindestens 20 Grad Celsius? Seit 2012 ist es eher bescheiden und regnet immer etwas. Die Wettervorhersage am frühen Sonntagmorgen verhieß zwar bis zu 17 Grad Celsius und teilweise sonnige Abschnitte. Der Regenradar zeigte aber ein kleines Regengebiet für 10 Uhr über Göttingen und weitere Schauergebiete nach 12 Uhr.

So kam es dann auch: Während des Warmfahrens gab es einen kurzen Nieselregen, der glücklicherweise kaum für Nässe sorgte. Kollege Axel und ich stellten uns in Block B auf (laut Petra: "B wie Bescheuert"). Axel wollte zwar möglichst weit vorne in B starten, ich aber nicht. Wir fuhren relativ mittig los bei etwa 300 Teilnehmern pro Block. Unser Plan bestand darin, möglichst lang zusammen fahren, uns bei Bedarf in der Führung abzuwechseln und möglichst an eine Gruppe in den Windschatten zu hängen. Wie Pläne so sind: Sie klappen manchmal nicht.

Start

In der neutralen Phase zwischen Schützenplatz und Rosdorfer Kreisel hängten wir uns dann an eine Gruppe von drei Fahrern aus demselben Team und fuhren in deren Windschatten über den Start und Beginn der Zeitnahme. Diese kleine Gruppe fuhr ein ordentliches Tempo und wir überholten gleich zahlreiche andere Teilnehmer. Leider begrüßten sie noch vor dem Kreisel am Ortseingang von Rosdorf (eigentlich müßte dies der Rosdorfer Kreisel sein, nur wurde er deutlich später gebaut) ein paar Bekannte am Straßenrand, so daß ich überholte und mit tief gefaßtem Lenker Axel und andere Teilnehmer hinter mir her zog über den Kreisel und auf die Umgehungsstraße hinauf. Irgendwie sprangen wir dann auf der Umgehungsstraße von Gruppe zu Grüppchen, bis wir uns an der Brücke einer größeren Gruppe anschließen konnten. Und in der Gruppe knallte es ein paar hundert Meter später: Drei Fahrer aus dem vorderen Bereich lagen plötzlich auf der Straße, und wir lenkten nach einer scharfen Bremsung am Rand um sie herum.

Der Weg nach Mengershausen bestand dann wieder aus vielen einzelnen Fahrern oder Kleingruppen. Irgendwann schlossen wir zu einer größeren Gruppe auf und wunderten uns, daß sie alle aus Block B stammten. Wir hatten eigentlich beide vermutet, wir wären in den Schluß von Block A hineingefahren. So muß es aber in Block B schon zu Beginn des Rennens einen Abriß gegeben haben mit einer mehrere hundert Meter langen Lücke. Axel machte Tempo, und ich überlegte, ob ich die bisherigen Kilometer nicht zu schnell und bei zu hohem Puls gefahren war. Klare Antwort: Ja, war ich, und der Preis war hoch. Aber erst einmal ging es hinter Mengershausen die langgezogene Steigung nach Bördel hoch. Axel zog mir dabei langsam aber stetig davon. Kurz vor der Eisenbahnbrücke betrug sein Vorsprung vielleicht 30 Meter, dann fuhr aber direkt vor mir ein Schüler des MPG auf einen Vordermann auf. Es passierte nicht viel, außer daß die Halterung des Vorderrades des Schülers geöffnet war. Ich sagte ihm beim Vorbeifahren, er solle anhalten und sie wieder schließen, verlor bei dieser Aktion aber weitere Meter und Sekunden auf Axel.

Meine Geschwindigkeit in der Steigung war eher normal und nicht überrissen, dennoch merkte ich vor Bördel, wie die Kraft nachließ. Das Essen klappte auch nicht richtig, ich bekam kaum Bissen vom Energieriegel runter. Irgendwo im letzten Stück vor Bördel sah ich Axel das letzte Mal, als er einen langsamer fahrenden, begleitenden Krankenwagen in einer kleinen Gruppe überholte. Um mich herum befanden sich eigentlich nur einzelne Fahrer. Der nächste Eßversuch in der Steigung hinter Bördel scheiterte wieder, und in der Abfahrt nach Dransfeld meldete sich so langsam mein Magen mit unklaren Problemen. Ich nahm deutlich Geschwindigkeit raus und rollte das letzte Gefälle nur noch hinunter, um in Dransfeld dann die leichte Steigung bis hin zum Campingplatz bei niedrigem Puls mit 20 km/h zu fahren. Meine Hoffnung bestand darin, bei ruhigerer Fahrweise den Hohen Hagen einigermaßen hochzukommen und dann in den langen Abfahrten bis Jühnde wieder Kraft tanken zu können.

Halbzeit

Also überfuhr ich den Beginn der Bergwertung und die steile Rampe zum Campingplatz "langsam" mit 12 km/h und steigerte mein Tempo im ersten Abschnitt zum Waldrand auch nur geringfügig. Hier schien den Teilnehmern sogar die Sonne ins Gesicht, die Körpertemperatur im Anstieg nahm doch merklich zu. Es gelang mir, bis zum Gipfel nicht zu überdrehen, den Puls immer im Bereich 160-170 zu halten und gleichzeitig weder das Gefühl zu haben, viel zu langsam zu sein, noch irgendwie an meine Grenzen zu stoßen. Gut, in zwei der drei Trainingsanstiege in den Wochen vor dem Rennen war ich deutlich schneller oben.

Die Abfahrt nach Jühnde ging ich sehr vorsichtig an. Die S-Kurven im Wald waren sehr feucht, auf der weiteren Abfahrt überholten mich doch einige Fahrer, und leider verpaßte ich in Jühnde eine Gruppe knapp. Die 50 Meter am Ortsausgang konnte und wollte ich dann nicht mehr zufahren. Irgendwann aber überholte mich die nächste Gruppe, und hier hängte ich mich an das Ende in den Windschatten. Es waren zwar weniger als zehn Leute, doch funktionierte diese Gruppe für einige Kilometer an Mariengarten vorbei bis Volkerode. Dort verlor ich irgendwie den Kontakt und merkte die eingeschränkten Kräfte: Die Magenprobleme waren nicht weg, aber reduziert, das Essen klappte noch immer nicht. Zusammen mit zwei oder drei anderen Fahreren schoß ich durch Sieboldshausen bis zur Kreuzung vor Niedernjesa. Der Fahrer vor mir versteuerte sich und fuhr den langen Weg am Abbiegungsteiler vorbei, ich selbst nahm die optimale Strecke und konnte gut wieder auf der Straße nach Rosdorf beschleunigen. Jetzt kamen von hinten noch ein paar Fahrer dazu und hängten sich erst hinter mich, übernahmen dann auf der Umgehungsstraße um Rosdorf die Führung. Bei gutem Tempo um die 40 km/h brachten wir den Ortseingang von Göttingen und die Straßen bis zum Ziel hinter uns. Die Menschenmassen jubelten entlang der ganzen Zielgerade, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, den Jubel nicht verdient zu haben. Die Zeit blieb glücklicherweise unter 1:30 Stunden stehen! Ich hatte zwischendurch schon Befürchtungen gehabt. Das wäre peinlich geworden. Zufrieden war ich aber nicht. Beim nächsten Mal sollte ich lieber doch nicht versuchen, mit einem gut austrainierten und mehr als 15 Jahre jüngeren Kollegen mitzufahren.

Ziel

Im Zielbereich wurde es dann peinlich für die Organisatoren der Tour: Die Ausgabe am Gepäckbus klappte überhaupt nicht! Zwei einsame Hilfskräfte suchten minutenlang und häufig vergeblich nach den blauen Säcken mit den aufgemalten Nummern. Die Sortierung bei der Abgabe war wohl nicht erfolgreich gewesen. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis ich meinen Rucksack bekam! Und dabei war ich zu Beginn ungefähr der Zehnte in der noch kurzen Schlange. Zu der Freude aller Teilnehmer in der schnell immer länger werdenden Schlange folgte ein Regenguß, so daß der Schweiß in den Fahrradtrikots schnell ausgewaschen und durch Wasser ersetzt wurde.

Nachdem ich endlich eine lange Hose und eine Jacke angezogen hatte, wollten Axel und ich eigentlich nur noch die Transponder wegbringen und (zumindest ich) dann nach Hause fahren. Allerdings erwieß sich die Schlange an der Transponderrückgabe auch als sehr lang. Also gingen wir doch zur Pasta Party und dabei an den Ergebnislisten vorbei: Axel war doch glatt 5 Minuten schneller gefahren als ich und auf Platz 191 gewertet worden! Die Pasta ging einigermaßen runter, mein Magen machte nicht mehr ganz zu. Dafür wurde ich auf dem Rückweg nach Bovenden doch noch so richtig naß. Der Regenguß dauerte über die Hälfte der Strecke an. Und bei meiner Abfahrt hörte ich am Polizeiwagen die Durchsage, die Spitzengruppe der langen Strecke wären gerade in Mariengarten gewesen. Der Zielsprint fand also vermutlich im Regen statt, und die armen langsameren Teilnehmer fuhren wohl ein sehr nasses Rennen.

Bilder


Kurz vor Dransfeld, als es mir gerade so richtig schlecht ging.

Kurz vor dem Gipfel des Hohen Hagen.

In der Abfahrt vom Hohen Hagen.

Nach der Zieldurchfahrt.

Statistik

Ins Ziel kamen 1684 Männer und 147 Frauen über 100 km sowie 995 Männer und 250 Frauen über 45 km. Anmeldungen gab es 2112 bzw 1445. Die Zeit des Siegers betrug 2:33:45 Stunden auf der langen und 1:06:58 Stunden auf der kurzen Strecke. Auf der kurzen Strecke gab es offensichtlich ein Mannschaftszeitfahren, denn die ersten fünf Plätze wurden von Teilnehmern aus dem selben Team belegt, und die ersten vier lagen mehr als 30 Sekunden vor dem Fünften. Auf der langen Strecke setzte sich der spätere Sieger im Gewitterschauer am Hohen Hagen oder in der Abfahrt ab und wurde nicht mehr eingeholt.

Ich selbst belegte in der Gesamtwertung mit 1:28:56 Stunden den Platz 318 von 995, in der Altersklasse Männer Master 2 den Platz 78 von 248. In der Bergwertung lag ich mit 10:15.1 Minuten auf Platz 348 von 999. Damit fuhr ich um 32 Sekunden langsamer als im vergangenen Jahr in der Bergwertung. Damals stand allerdings die lange Strecke auf dem Programm. Die Siegerzeit betrug 6:09 Minuten! Der für das Team Benotti startende ehemalige Radprofi Marcel Wüst brauchte 8:09 Minuten. Axel lag mit 9:21.9 Minuten auf Platz 190, eine Zeit, die ich im Training auch zwei Mal erreicht hatte, und insgesamt mit 1:23:54 Stunden auf Platz 191. Unser dritter Kollege, Stefan, erreichte mit 1:39:56 den Platz 694.
Die mittlere Herzfrequenz betrug 161 bpm bei einem Maximum von 175 bpm,
die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 30.4 km/h mit einem Maximum von 59.1 km/h, nachdem ich im vergangenen Jahr 31.8 km/h auf der langen Strecke gefahren war. Was für ein Abstieg!

Mein Fazit für meine neunte Teilnahme am Göttinger Jedermannrennen: Der Versuch, mit einem austrainierten und deutlich jüngeren Fahrer mitzuhalten, scheiterte gnadenlos. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war nicht nur die schlechteste aller drei Teilnahmen auf den kurzen Strecken, sondern schlechter als vor einem Jahr auf der langen Strecke.

Axel und ich diskutierten am Folgetag über das sehr eigenartig verlaufende Rennen: Nicht nur die eigenartige große Lücke mitten in Block B kurz hinter Rosdorf, sondern vor allem das Fehlen von größeren Gruppen mit mehr als zehn Teilnehmern in der zweiten Hälfte des Rennens war uns beiden aufgefallen. Es hatte sich fast angefühlt wie im hinteren Bereich des Teilnehmerfeldes, in dem sich eben viele einzelne Fahrer aufhalten, die aber entweder mangels Kraft oder mangels Erfahrung nicht mehr zu Gruppen zusammenfinden. Und genau dies erlebten wir nun am Ende des ersten Drittels der Platzierungen!

Der Flitzer

Wie das Göttinger Tageblatt in der Ausgabe zwei Tage nach dem Rennen mit einem Foto berichtete, fuhr ein "Flitzer" in grauer Unterhose und mit einem Kopftuch über die Zielgerade und durch das Ziel. Das GT vermutetet, der Flitzer wäre kurz vor dem abgesperrten Zielbereich auf die Strecke gefahren. Dem war aber nicht so! Der Flitzer muß tatsächlich die gesamte kurze Strecke abgefahren haben!
In Dransfeld hatte er mich nämlich überholt und dann, wenige Meter vor mir fahrend, mehrere Zuschauer abgeklatscht. In der Rampe zum Campingplatz verschaltete er sich aber oder die Kette sprang raus. Auf jeden Fall hielt er laut fluchend am Straßenrand und blieb damit hinter mir zurück. Zufällig entdeckte ich ihn einen Tag später auf Fotos vom Start in die ersten neutralen Kilometer. Dem Zeitstempel beim Sportograf zu Folge fuhr er ganz am Ende von Block A. Also Start - Dransfeld - Ziel, ergibt folglich die gesamte Strecke!

Der Flitzer am neutralen Start am Schützenplatz.

Foto der Zieldurchfahrt aus dem GT vom 28.04.2015.

Fotos und Videos

Professionelle Fotos erwarb ich diesmal nicht von den Streckenfotografen, da uns nur wenige Bilder voll und groß zeigten, und außerdem in jedem Jahr sehr ähnliche Bilder entstehen.

Es gibt mehrere Videos der Tour: