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05.03.2017

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Hamburg Cyclassics 2018 - 100(110) km

Eigentlich wollte ich ein langes Wochenende von Freitagnachmittag bis Montagfrüh in Hamburg verbringen, doch bedauerlicherweise kam am Samstag eine Trauerfeier/Bestattung dazwischen. Mit dem emotionalen Streß und der relativ späten Anreise im Gepäch merkte ich Sonntag am Start doch stark die vollkommen fehlkende Anspannung. Glücklicherweise hatte ich im späten IC noch kurzfristig einen Fahrradstellplatz bekommen und Kollege Axel holte meine Startunterlagen ab, wobei er nachmittags fast eine Dreiviertelstunde lang an der Ausgabe anstehen mußte. Nach meiner Ankunft gingen wir noch gemeinsam essen. In diesem Jahr konnte ich gut schlafen, das Zimmer lag nach hinten raus direkt oberhalb der außen stehenden Tische des Hotelrestaurants. Bei geschlossenem Fenster war es fast völlig ruhig, nur die Klimaanlage kühlte für meinen Geschmack etwas zu viel runter und ließ sich nicht abschalten.

Frühstück gab es ab 6:30 Uhr. Trotz der frühen Uhrzeit waren die meisten Tische besetzt, denn die zahlreichen am Rennen teilnehmenden Hotelgäste mußten ja alle rechtzeitig zu ihren Startblöcken. Ein paar verließen bereits jetzt das Hotel und machten sich auf zum Startbereich: Die ersten Blöcke auf der kurzen 60-km-Distanz fuhren bereits um 7:30 Uhr los! Axel und ich machten uns dann kurz vor 8 Uhr auf den Weg am Hauptbahnhof vorbei zur Straße "An der Alster", an der entlang die vielen Startblöcke von A bis N voneinander abgetrennt waren. Aus Block A fuhren ausschließlich Teilnehmer der 160-km-Strecke los, aus Block B dann gemischt die 100er und 160er. Die ersten Startblöcke waren für bis zu 500 Teilnehmer ausgelegt, danach folgenden Blöcke mit 1000 Teilnehmern. Wir trafen viel zu früh in Block G und mußten noch fast 40 Minuten auf den Start warten. Am Himmel verdeckten dunkle Wolken die Sonne und zunächst kam es mir mit den dunklen Filtern an der Radbrille doch sehr dunkel vor.

Endlich rollte das Feld los und ich überquerte um 8:49:14 Uhr die Startlinie. Sogleich nahm das Feld, d.h. unser Block G, ordentlich Fahrt auf und legte die ersten fünf Kilometer aus Hamburg heraus mit gutem Rückwind mit fast einem 4ßer Schnitt zurück. Ich merkte dabei, wie eingangs bereits angedeutet, die völlig fehlende Anspannung und rollte erst einmal mit den anderen Teilnehmern mit. Es dauerte eine ganze Weile, etwa 35 bis 40 Minuten, bis ich warmgefahren war und in den Rennmodus eintrat. War bisher das Feld komplett geschlossen und sehr lang gezogen, traten nun die ersten Lücken auf und ich mußte erstmals richtig antreten, um eine Lücke zu überwinden und in die vorfahrende Gruppe zu kommen. Nach ziemlich genau einer Stunde erreichten wir den höchsten Punkt des Rennens bei Kilometer 36, immerhin 50 bis 55 Höhenmeter oberhalb des Startbereichs. In der Abfahrt von diesem "Gipfel" erreichte ich meine Tageshöchstgeschwindigkeit von 61 km/h. Die Temperaturen waren sehr angenehm um etwa 22 Grad und hin und wieder zeigte sich mal kurz die Sonne, aber noch immer dominierten die dicken Wolken.

Bisher hatte ich praktisch ausschließlich Fahrer aus Block G gesehen. Erst nach 45-50 Minuten fuhren die ersten Teilnehmer aus Block H an mir vorbei. Aber die ersten schnellen H-Gruppen waren doch zu schnell für mich. Am unangenehmsten wurde es in einem der beiden "Feldwegabschnitte": Mit gerade einmal zwei Metern Breite konnten auf dem allerdings gut asphaltieren Weg kaum mehr als zwei Teilnehmer nebeneinander fahren. Dennoch versuchte ein Trupp aus Block I, in diesem Bereich zu überholen. Glücklicherweise ging hier alles gut, aber mehrfach kam ich im Laufe des Rennen an Rettungswagen oder kurz zuvor Gestürtzten vorbei. An allen solchen Stellen hatten aber jeweils 10 oder mehr Fahrer gehalten, sicherlich einige davon ebenfalls gestützt, und kümmerten sich um den jeweils einen, den es am schwersten getroffen hatte, oder machten die herannahenden Teilnehmer auf die Engstelle aufmerksam. Auch die Polizei, die mit vielen Motorrädern unterwegs war, sicherte immer gleich die Sturzstellen ab.

Inzwischen standen an den Straßenrändern vor allem in den Dörfern viele Zuschauer und feuerten die durchrasende Meute an. An ein paar Stellen hatten Anwohner sogar Tische mit Brötchen und Wasser vorbereitet, doch ich sah niemanden dort anhalten. Ich kannte die neue Streckenführung ja bisher gar nicht, bei den letzten vier Teilnahmen ging es immer über die Köhlbrandbrücke nach Süden aus Hamburg hinaus, diesmal aber nach Nordosten. Wellig war es schon die ganze Zeit über, aber die wenigen Steigungen waren sehr kurz und alles andere als steil. Glücklicherweise lagen weite Teile der Strecke in Waldbereichen und somit relativ gut windgeschützt. Nach dem kräftigen Rückwind in der ersten Phase des Rennen hatte ich ordentlichen Gegenwind in der zweiten Rennhälfte befürchtet, doch dieser blieb weitegehend aus. Nach 59 Kilometern fuhr ich als einer von wenigen aus der großen Gruppe von der Strecke ab in den Verplegungsbereich hinein, der auf einem Platz neben einem Bauernhof etwa 100 Meter neben der Strecke aufgebaut war. Man mußte die Räder abstellen und dann zu Fuß zu den Tischen gehen, um Wasser oder Iso-Getränke nachzufüllen oder um sich an den ausgelegten Kuchenstücken, Orangenvierteln und halben Bananen zu bedienen. Meine Standzeit betrug knapp zwei Minuten, mit Abfahrt und Rückkehr auf die Strecke werde ich wohl etwa 2:30 Minuten "verloren" haben. Doch als ich wieder auf die Strecke fuhr, sah ich bereits von hinten die nächste große Gruppe heranrollen und konnte damit weiterhin problemlos den Windschatten ausnutzen.

Inzwischen kamen auch kleine Gruppen aus den Blöcken J und K vorbei. So um Kilometer 95 überholte mich noch ein einziger Teilnehmer aus Block N! Dies fiel auch anderen Teilnehmern um mich herum auf, aber ich hatte keine Chance, mich in den Windschatten zu hängen. Er fuhr einfach zu schnell. Alleine auf Grund der Startzeitdifferenz zwischen den Blöcken G und N muß dieser Teilnehmer etwa 30 Minuten schneller gewesen sei als ich und einen Schnitt von 40 km/h gefahren haben. Und das alleine, aber natürlich immer entlang anderer Teilnehmer. Bei Kilometer 90 ging es dann in die letzte längere Abfahrt und wieder in die Vororte von Hamburg hinein. Inzwischen fuhr ich doch an vielen vorbei, die bereits offensichtlich mit letzter Kraft fuhren und kein Tempo mehr machen konnten. Gruppen gab es für mich damit kaum noch, ich fuhr nur noch den Lenker tief gegriffen und ohne jegliche Probleme mit Geschwindigkeiten um die 40 km/h herum. Viele Zuschauer gab es hier in der Stadt nicht mehr, um den Bahnhof herum herrschte eher der normale Betrieb von Leuten, die es kaum abwarten konnten, in einzelnen größeren Lücken des Feldes die Straßen zu überqueren. Erst im Bereich der Alster und Binnenalster war die Rennstrecke wieder dicht gesäumt von Zuschauern, bevor es dann auf die letzte Schleife bis hinein in die Mönckebergstraße ging. Ab dem Rathaus machten dann die Zuschauermassen auf beiden Seiten der Absperrungen viel Lärm, der auch nicht im Ausrollbereich hinter der Ziellinie verebbte.

Am übervollen Sammelplatz bekam jeder Teilnehmer seine Finisher-Medaille und konnte sich dann, wie auch an der Verpflegungsstation, mit leckerem Gebäck bedienen und Wasser, Iso-Drinks oder aber Zielbier versorgen. Nach einer kurzen Versorgungspause rollte ich zurück ins Hotel, duschte den Schweiß ab und schlief erst einmal eine halbe Stunde.

Die Siegerzeit auf der 100-km-Strecke betrug 2:30:23 Stunden, wobei nach den Zeilzeiten eine Fünfergruppe mit einem Nachzügler einen Zielsprint ausfuhr. Die nächste Gruppe mit mehr als 40 Fahrern traf erst zwei Minuten später ein. Die beste Frau benötigte 2:32:46 Stunden, die ersten drei Frauen kamen mit der ersten großen Männergruppe ins Ziel. Insgesamt erreichten 5780 Männer und 648 Frauen das Ziel. Angemeldet waren zusammen etwa 7650 Personen.

Auf der 60-km-Strecke fuhr eine Spitzengruppe aus 66 Männern nach 1:19:20 Stunden über den Zielstrich. Die schnellste Frau benötigte 1:19:36 Stunden, die beiden besten Frauen trafen mit der Spitzengruppe der Männer ein. Das Ziel erreichten 3351 Männer und 782 Frauen.

Über die 160-km-Strecke benötigten der Sieger, der eine halbe Minute vor dem Zweiten und mehr alsd drei Minuten vor dem Dritten eintraf, 3:42:47 Stunden und die Siegerin 3:53:29 Stunden. Es erreichten 1494 Männer und 77 Frauen das Ziel.

Meine eigene Zeitmessung zeigte 3:06:46 Stunden für 109.1 km bei 487 Höhenmetern. Auf Grund der Standzeit an der Verpflegungsstation betrug die offizielle Zeitnahme dann 3:08:36 Stunden und damit Platz 3160 von 5823. In der Altersklasse 2 kam ich auf Platz 868 von 1579. Meine mittlere Herzfrequenz betrug 149 bpm bei einem Maximum von 168 bpm. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 35.1 km/h insgesamt mit einem Maximum von 61.4 km/h.

Nach der Rückkehr ins Hotel, einer Dusche und einer knappen halben Stunde Mittagsschlaf knurrte mein Magen und verlangte Kalorien. Also ging ich wieder zum Zielbereich und setzte mich direkt an die Bande vor ein Cafe/Restaurant etwa 150-200 Meter hinter dem Zielstrich. Während ich dort auf das Essen wartete, überquerten hauptsächlich die Nachzügler des 160-km-Rennens die Ziellinie, aber es waren auch noch vereinzelte Teilnehmer des 100-km-Rennens zu sehen, deren Fahrzeit schon mehr als zwei Stunden länger war als meine eigene. Irgendwann fuhr dann der Besenwagen vorbei und direkt vor diesem noch eine kleine Gruppe. Etwas später fand die Zieldurchfahrt der letzten Etappe des viertägigen Jugendrennens (U17 glaube ich) statt.

Nach dem Mittagessen folgten noch eine Waffel und Tee, die verbrauchten Kalorien mußten ja wieder aufgefüllt werden. Es dauerte nun eine Weile, bis die Profis zum ersten Mal vorbeirasten und sich dann auf ihre letzte Runde begaben. Schließlich hatte sich das Warten gelohnt, die lauten Durchsagen über die Rennentwicklung verkündeten den letzten Kilometer. Direkt vor uns hatten sich die ganzen Mitarbeiter der Teams aufgebaut mit Taschen voller Getränke und Energieriegel. Leider konnten wir von unserer Position nicht den Zieldurchlauf sehen, den ich erst später im TV bzw als kurzes Video auf der Eurosport-Website sah, aber dafür hielt der Sieger dann direkt vor uns und gab ein TV-Interview. Auch alle anderen Radprofis und die Begleitfahrzeuge rollten vor unseren Augen aus und begaben sich anschließend zu ihren Mannschaftsbussen.

Wir liefen nun noch ein wenig durch Hamburg, spazierten durch die Rad-Messe und guckten ein paar Stände genauer an. Dann mußten die müden Beine aber doch zurück ins Hotel, in dessen Restaurant es für mich am Abend noch einmal ein gutes Essen gab. Am nächsten Morgen mußte ich ganz fürh und kurz frühstücken, denn mein IC fuhr bereits gegen 7:30 Uhr ab. Als ich den Fahrradstellplatz im IC gebucht hatte, so etwa Anfang Mai, waren alle anderen Züge des Vormittags bereits ausgebucht. Im IC standen dann auf fast allen der jeweils 10 Stellplätze der beiden Wagen mit Radstellplätzen Rennräder, die meisten noch immer mit den montierten Startnummern.