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13.03.2021

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Testbericht zum my Densu Cross 2020

Ich schrieb den folgenden Artikel während meiner zehntägigen Testphase von dem My Densu Cross 2020 im Oktober 2020. Anschließend behielt ich das Fahrrad.


Dieses Foto entstand im März 2021 für mein Interview im Blog von my Boo, das stark gekürzt im April 2021 veröffentlicht wurde.

Die ersten Tage

Nach einem heftigen Unfall in Sommer 2020 mit einigen Schäden am Cyclo Cross mußte ich ein neues Rad anschaffen. Zufällig las ich wenige Tage nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus in der Süddeutschen Zeitung einen längeren Artikel über die Bambusräder von my Boo, der sofort mein Interesse weckte, stöberte durch die Website und bestellte dann das my Densu Cross 2020 für einen Probezeitraum.

Vorgestern traf das gute Stück per Spedition ein, wurde sofort ausgepackt und für eine kurze Runde um den Block eingerichtet. Es sieht faszinierend und völlig ungewohnt aus, dazu gleich noch mehr. Zufällig hatten wir an dem Tag Handwerker im Haus, und der Maler beobachtete mich beim Zusammenbau und kam gleich raus: Er erkannte sofort den Bambus und den Ghana-Aufkleber und sagte, er hätte vor einiger Zeit einen Bericht darüber gesehen. Als Maler bemerkte er auch die tolle Farbkombination der Mantelfarbe im Zusammenspiel mit der Farbe des Bambus. Leider regnete es, als die Handwerker fertig waren, so daß ich bis zum heutigen Sonntag mit der ersten Ausfahrt warten mußte.

Bei für die zweite Oktoberhälfte angenehmen Temperaturen und trockenen Straßen legte ich 50 km mit dem my Densu Cross zurück auf üblichen Trainingsstrecken, um das Fahrverhalten vergleichen zu können. Zunächst stieß ich mehrfach mit dem linken Fuß an die relativ breite hintere Montierung, da ich vom Rennrad und meinem neuen, im August gekauften Cyclo Cross (diesmal Alu und kein Sportmodell) eine andere Fußhaltung gewohnt bin. Aber daran gewöhnte ich mich schnell.

Völlig überrascht war ich von den breiten Reifen, Schwalbe G-One Classic Skin 40-622, denn mein altes Cyclo Cross hatte 33 mm Reifen und das aktuelle Cycle Cross 35 mm. Auf der my Boo Website steht inzwischen das 2021er Modell, welches auch mit 35 mm Reifen angeboten wird. Die Reifen fuhren sich gut, die Breite allerdings ist erst einmal sehr ungewohnt. Dies werde ich bei weiteren Probefahrten noch intensiv beobachten.

Meine größte Sorge galt bei Ankündigung des Bau des Rades dem fehlenden vorderen Umwerfer. Durch die Mittelgebirgslage fahre ich täglich Steigungen und Gefälle, u.a. auf dem Rückweg von der Arbeit und auch von anderen Ausfahren die 60 Höhenmeter mit maximal sieben Prozent Steigung aus dem Leinetal bis zu mir nach Hause. Auf dem Hinweg rollt man locker mit 45 km/h bis ins Leinetal hinunter. Steigungen bis über 10 Prozent schiebe ich gerne bei den Touren ein und ebenso das entsprechende Gefälle. Dem entsprechend müssen auch die Übersetzungen ein breites Spektrum abbilden. Bei der heutigen Tour zeigten sich keine Probleme in den Anstiegen bis maximal acht Prozent Steigung, die kleinste Übersetzung mußte ich nicht schalten. Bei den Abfahrten hatte ich das Gefühl, etwa ab 45 km/h nicht mehr treten zu können. Für die nächste Probe-Tour stehen also mal Steigungen von zehn Prozent oder mehr sowie eine Abfahrt mit üblichen 55 km/h an.

Mein Gesamteindruck nach den ersten 50 km ist gut. Die im Vergleich zu Standardrädern leicht andere Gewichtsverteilung fiel nur zu Beginn auf, Schaltung und hydraulische Scheibenbremse von Shimano funktionieren wie erwartet. Ob ich den Sattel in ein paar Monaten noch montiert haben würde, weiß ich bisher nicht, aber die Feineinstellung von Sattelhöhe und Sitzposition ist auch noch nicht optimiert. Das Rad ist wirklich auffällig und ein Hingucker: Heute waren doch einige Mountainbiker und Rennräder unterwegs, und immer wieder bemerkte ich die verwunderten Blicke der mir entgegen kommenden Leute. Fast hätte ich mit einem umdrehenden und mir hinterher fahrenden Menschen gerechnet.

In jedem Fall freue ich mich auf ein paar weitere Touren in den nächsten Tagen und werde zumindest ein Mal den Weg zur Arbeit mit dem my Densu Cross zurücklegen und eine von den größeren Steigungen mit einbauen. Es könnte in der Woche trockene und sonnige Tage geben, denn ungerne würde ich das Rad während des Probezeitraums im Regen und Dreck einsauen.

Die Entscheidung

In der vergangenen Woche fuhr ich an einem trockenen Tag mit dem my Densu Cross 2020 zur Arbeit die 13 km je Richtung, davon etwa 500 Meter auf einem geschotterten Feldweg, ansonsten Straße, Radwege und asphaltierte Feldwege. Das Rad fuhr sich gut auf der Strecke und dämpfte viele Erschütterungen auf dem Schotterweg. Inwiefern andere Leute auf einem Rad oder im Auto das Bambusrad bemerkten, kann ich wegen der Fahrt in der Morgen sowie Abenddämmerung nicht sagen. Allerdings warfen eine Reihe von Kollegen einen neugierigen Blick auf das Rad, darunter mehrere andere Rennradfahrer und, ebenso wie ich, regelmäßige Teilnehmer an der Tour d'Energie in Göttingen. Vom Aussehen her fanden die meisten Leute das Bambusrad toll, es gab aber auch einige wenige dezidierte Ablehnungen. Ein Kollege aus der Mechanik fragte nach der Stabilität der Hanfumwicklungen. Ein weiterer Kollege berichtete gegen Ende der Woche, er hätte sich mit seiner Frau zusammen die Räder auf der Website angeguckt und eigentlich Interesse gehabt, die Preise seien ihnen aber zu hoch gewesen.

Am Sonntag legte ich bei angenehmen und windigen 14°C kurz nach dem Ende einer längeren Regenphase noch einmal 40 km mit dem Rad zurück. Dabei ging ich absichtlich auf einen Streckenabschnitt, den ich sonst zu Trainingszwecken ein paar Mal pro Monat mit dem Rennrad zurücklege, nämlich auf eine Steigung von 13% über etwa 100 Meter in der Mitte eines etwas mehr als 2000 Meter langen Anstiegs mit zumeist 6-8% Steigung. Wie erwartet reichte der größte Zahnkranz kaum aus, ich konnte nur noch mit Kraft fahren und nicht mehr über die Trittfrequenz. Aber der Anstieg war ja auch nur ein Test und entspricht nicht den normalerweise mit einem Cycle Cross zurückgelegten Strecken.

Am Ende der Tour gab es dann noch eine Abfahrt zum Austesten des kleinsten Zahnkranzes. Mit dem Rennrad erreiche ich an dieser Stelle je nach Windverhältnissen etwa 50-55 km/h, mit dem my Densu Cross 2020 kam ich bei Seitenwind auf 49 km/h und konnte noch treten. Die Trittfrequenzgrenze scheint also knapp über 50 km/h zu liegen und reicht ebenfalls völlig aus.

Noch ein Wort zum Gewicht des my Densu Cross 2020: Auf der Website gibt es oben den Werbespruch "Stabil wie Stahl, leicht wie Alu und komfortabel wie Carbon". Zur Stabilität kann ich noch keine Aussage treffen, komfortabel wie Carbon könnte gefühlt sein im Vergleich zu meinem Rennrad und dem alten Cyclo Cross, beide aus Carbon. Aber leicht wie Alu? Seit August fahre ich ein Bergamont Grandurance RD 5+ (2020) aus Alu mit Nabendynamo, fester Beleuchtung und Schutzblechen. Ich habe noch keinen Vergleich auf der Waage durchgeführt, aber das Alu-Rad wiegt um einiges weniger als das Bambusrad ohne Schutzblech und mit abgezogenen Akku-Leuchten.

Als Fazit bin ich mit dem my Densu Cross 2020 zufrieden. Es fährt sich sehr gut, der fehlende Umwerfer auf ein zweites vorderes Kettenblatt stört überhaupt nicht, und das Aussehen des Rades ist sehr beeindruckend und zieht viele Blicke auf sich. Ich selbst bezeichnete das Rad gegenüber meiner Frau als "Öko-Angeber-Rad" und einige Kollegen ließen ähnliche Worte fallen.